Die letzten Tage hat es einige Regentropfen auf den heissen Stein bzw. Asphalt gegeben – Niederschläge, die nicht ausgleichen können, was die letzten Wochen, ja Monate, an Wasser gefehlt hat. Tiefstände in den Gewässern, tote Fische, eine Sure, die an gewissen Stellen im Städtli Sursee unangenehme Gerüche entwickelte, Laubbäume mit frühem Herbst, bräunliche Grünflächen. Versiegelte Strassen und Plätze, die sich erhitzten und auch nachts nicht abkühlten, führten zu Tropennächten. Vulnerable Menschen mussten sich tagsüber in die Wohnung zurückziehen, in der Hoffnung, dort vor der Hitze etwas geschützt zu sein.

Die Stadt als Schwamm

In Anbetracht dieser Herausforderungen und Belastungen kann sich schnell ein Gefühl der Ohnmacht breit machen: Was kann ich als Einzelner, was können wir als kleine Schweiz in Relation zur ganzen Welt überhaupt bewirken?!
Der Sommer 2026 zeigt uns deutlich, was der Klimawandel für unseren Alltag bedeutet – aber auch, dass wir selbst mitgestalten können. Ein ertragbares Klima entsteht vor unserer Haustür, mit kleinen und grossen Massnahmen. Bäume spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie spenden Schatten, verdunsten Wasser und kühlen so die Umgebung spürbar. Ein entsiegelter Vorgarten oder Rabatte lässt Regen versickern statt in der Kanalisation zu verschwinden, ein begrüntes Dach schützt vor Hitze und schafft Lebensraum. Besonders bei Plätzen, Wegen und Parkplätzen liegt Potenzial: Wo Flächen nicht zwingend befestigt sein müssen, sollten sie entsiegelt, begrünt oder wasserdurchlässig gestaltet werden – denn eine klimaangepasste Stadt funktioniert ein bisschen wie ein Schwamm, der Regenwasser dort zurückhält, wo es fällt. Unversiegelte Böden, Bäume und wasserdurchlässige Beläge nehmen es auf, speichern es und geben es später wieder ab. Das hilft doppelt: Bei Starkregen wird die Kanalisation entlastet, und in trockenen, heissen Zeiten kühlt das gespeicherte Wasser durch Verdunstung die Umgebung.

Aufwertung vor der Haustüre

Die Gemeinden sind bei Klimaanpassungen in einer Vorbildrolle zu sehen, aber die Initiative der «Asphaltknackerinnen» zeigt, Entsiegelung kann auch privat passieren und eine – durchaus auch optisch – spürbare Veränderung bewirken: Schon kleine entsiegelte und bepflanzte Flächen leisten einen Beitrag, besonders wenn viele mitmachen. Vielleicht ein guter Moment, ums eigene Haus zu gehen und sich zu fragen: Wo könnte ich ein Stück Asphalt knacken und naturnah aufwerten?

Verkehr ist auch Stadtklima

Zum Stadtklima gehört auch, wie Mobilität flächeneffizient gelenkt wird. Weniger Verkehr insgesamt bedeutet weniger Abgase und Lärm – und schafft Raum für Bäume, Grünflächen, sichere Velowege und Fussverbindungen. Es geht nicht ums Verbote, sondern um echte Wahl: zu Fuss, mit dem Velo, dem Bus oder dem Auto – je nach Situation. Gerade für kurze Wege können sichere, beschattete Fuss- und Velowege eine echte Alternative sein.

Nächste Woche wird die Best-Variante zur Zukunft der Umfahrungsstrasse präsentiert (Projekt Gesamtmobilität Sursee). Wir dürfen gespannt sein, welche Instrumente zur Steuerung und Verbesserung des regionalen Verkehrssystems und in der Folge auch des Stadtklimas vorgesehen sind.

Fabrizio Misticoni
Kantonsrat Grüne, Sursee